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Seed-zu-Series-A-Quote in Europa fällt auf neun Prozent

Die Übergangsquote von Seed zu Series A fällt in Europa für den Jahrgang 2023 auf neun Prozent. Der European Founder Report 2026 von Antler zeigt: Gründungsaktivität steigt, Kapital sinkt.

Von Tim Brauckmann, Redaktion Startupbubble: Ökosystem, Kapital, Politik, Köpfe

Seed-zu-Series-A-Quote in Europa fällt auf neun Prozent
Symbolbild: Startupbubble (KI-generiert)

Die Übergangsquote von Seed zu Series A fällt in Europa für den Jahrgang 2023 auf neun Prozent. Zwischen 2008 und 2019 lag diese Quote bei durchschnittlich 23,3 Prozent, für den Jahrgang 2021 bei 20 Prozent und für 2022 bei 13 Prozent. Das zeigt der European Founder Report 2026, den der Wagniskapitalgeber Antler im August 2026 veröffentlicht hat. Grundlage sind Daten zu 81.055 Finanzierungsrunden seit dem Jahr 2000.

Die Zahlen bilden eine Schere ab: Zwischen 2021 und 2025 stieg die Gründungsaktivität in Europa laut Antler um 54 Prozent. Im selben Zeitraum sank die Zahl der Seed-Runden um 41 Prozent, die der Series-A-Runden um 45 Prozent. Die Zahl institutioneller Investoren, die mindestens drei Series-A-Runden pro Jahr zeichnen, fiel seit 2022 um 45 Prozent.

Zwei Lesarten der Lücke

Die erste Lesart: Der Markt filtert schärfer. Wer heute eine Series A bekommt, hat Umsatz, Wachstum oder ein Produkt mit messbarer Traktion nachgewiesen. Die sinkende Quote ist dann Ausdruck gestiegener Anforderungen, nicht fehlenden Kapitals.

Die zweite Lesart: Es fehlt strukturell Geld. Antler schätzt den rechnerischen Kapitalbedarf, um für den Seed-Jahrgang 2022 die historische Übergangsquote von 23,3 Prozent zu erreichen, auf 1,66 Milliarden Euro für 172 zusätzliche Series-A-Runden. Inklusive der Seed-Runden, die für diese Unternehmen nötig gewesen wären, komme man auf circa 2,4 Milliarden Euro.

Beide Lesarten schließen sich nicht aus. Die Zahl aktiver Series-A-Investoren ist gesunken, während mehr Teams um weniger Kapital konkurrieren. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass 68 Prozent der Gründerinnen und Gründer von seit 2020 gegründeten Unternehmen mit Milliardenbewertung einen technischen Hintergrund haben, verglichen mit 27 Prozent bei vor 2020 gegründeten Unicorns. Das spricht dafür, dass sich die Anforderungsprofile verschoben haben.

Was das für Gründer heißt

Wer gerade eine Seed-Runde abgeschlossen hat, sollte drei Dinge rechnen. Erstens: Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von drei Jahren eine Series A zu bekommen, liegt rechnerisch bei neun Prozent. Das bedeutet nicht, dass 91 Prozent scheitern, sondern dass 91 Prozent entweder länger brauchen, sich anders finanzieren oder den Betrieb einstellen.

Zweitens: Der Zeitraum bis zur Anschlussfinanzierung ist länger geworden. Wer 2023 Seed-Kapital eingesammelt hat und 2026 eine Series A sucht, trifft auf ein Angebot, das seit 2022 um 45 Prozent geschrumpft ist. Das Seed-Kapital muss entsprechend länger reichen.

Drittens: Die Kriterien haben sich verschoben. Welche konkreten Kennzahlen Series-A-Investoren heute verlangen, sagt der Antler-Report nicht. Die Daten zeigen aber, dass technische Gründerteams überproportional vertreten sind und dass die Zahl der Runden schneller sinkt als die Zahl der Investoren. Das legt nahe, dass Investoren selektiver geworden sind, nicht nur weniger.

Offene Fragen

Wie viele der Seed-Jahrgänge 2021 bis 2023 inzwischen insolvent sind oder den Betrieb eingestellt haben, sagt der Report nicht. Auch die Verteilung der Finanzierungslücke auf einzelne Länder und Sektoren in Europa bleibt offen.